Ich bin nicht so erfolgreich, weil ich alles richtig mache | Christina Baier

Ich bin nicht so erfolgreich, weil ich „alles richtig“ mache, sondern „das für mich richtige“ tue. Komme ich drauf, weil die hohe Reichweite meiner aktuellen Ad es gerade mal wieder mit sich bringt, dass Experten mir ungefragt ihren Rat in die Inbox schmeißen und mir ihre professionelle Hilfe anbieten. Kommt sicher ein paar Mal die Woche vor. Verbunden mit dem Call to Action sie zu buchen. Verzweiflungsmarketing nenne ich das.

Beginnt oder endet immer mit „Ist nicht böse gemeint, aber…“ Und dann „lerne“ ich, dass ich das Video meiner Ad besser „professionell“ erstellen soll, meine Webseite unbedingt ein Corporate Design braucht, meine Landing Page unbedingt conversion- optimiert werden muss (die Buttons zum Beispiel, die sind da an der ganz falschen Stelle und auch die Farben…). Also ist echt nicht böse gemeint, aber wenn ich Erfolg haben wolle, dann mache ich es besser richtig/er.

Ich weiß manchmal nicht so recht, ob ich die Augenbraue hochziehen oder lachen möchte. Diese Art von response auf Anzeigen, die inklusive Upsells mehrfach 6-stellige Umsätze bringen, ist schon irgendwie drollig.

In meiner Welt funktionieren die Dinge eben anders.

Ich gebe einen gepflegten flying fuck darauf, wie „man die Dinge tut“ und der Gipfel meiner Albträume wäre ein geklontes „me-too“ Business mit dem Charme der Tagesschau.
Hömma, ich trage Filter mit Hasenohren in meinen Stories, 90% der Fotos, die ich öffentlich verwende, sind Selfies (Stativ sei Dank) und keine Brand Shoots.
Manchen sieht man das an, manche haben den typischen Insta Glam `n Glow, manchmal hab‘ ich noch nasse Haare oder ein nasses T-Shirt…. und wenn’s wild läuft, kommen Hasenohren, nasse Haare und nasses T-Shirt auch mal zusammen.

Ich bin Coach, bin Artist, bin Writer… ein Messenger.
Ich helfe Menschen dabei, sich daran zu erinnern, wer sie in Wahrheit sind – im Kern. Und sich da heraus immer wieder neu zu erfinden. (Klingt paradox – ist es aber nicht). Ich helfe ihnen dabei, sich den Stock aus dem Arsch zu ziehen und sich nicht dauernd darum zu sorgen, was andere über sie denken könnten.

Ich wäre ein lausiger Coach, wenn ich mir den Stock nicht irgendwann mal selbst zuerst aus dem – you get the point – gezogen hätte.

Ich folge Impulsen. Mehr als jeder Planung. Ich gehe live auf Facebook, in dem Moment, in dem der Impuls dazu kommt.
Ich nehme ein Video auf, in dem Moment, in dem der Impuls dazu kommt.
Wenn das in `nem Cafe passiert, dann dort.
Wenn das abends um 23 Uhr passiert, dann … dann.
Wenn mir der Wind die Hälfte des Tons frisst – I don`t fucking care.
Wenn das Licht dabei nicht optimal passt – so what.

Und ich kann nicht mehr zählen, wie oft ein Hund bei mir schon die Film- oder Fotobombe gemacht hat

Ich habe auch zu Hause keine „professionelle Videoecke“ eingerichtet. Mit schicker Fototapete im Hintergrund… und mit meinem Lavaliermikro verhält es sich wie mit meinem Schlüssel. Es ist meistens weg. Mach was dran.

Ich hätte in den letzten 4 Jahren nicht tausende von Teilnehmern in meinen Onlinekursen gehabt, wenn ich überall nur live gegangen wäre, wenn alles optimal passt oder ich mich gerade „wirklich danach fühle“ und die Haare sitzen, wenn ich meine Kurse in Studioqualität vorproduziert hätte, wenn ich alle meine Posting vor dem Versenden gegenlese und ich meine Kursunterlagen von `nem Designer erstellen ließe.

Als High Performance Coach und Social Media Expertin für Kreative hätte ich nicht DIE Community die ich habe und würde auch und vor allem One : One nicht mit DEN Klienten arbeiten, mit denen ich arbeite, wenn ich dafür stehen würde, dass man ein künstliches und gepolishtes Image braucht, um erfolgreich zu sein.

Bei meinen Klienten geht bei sowas der innere Bullshit Detektor an.
Und sie haben nicht selten selbst erhebliche Ermattung, weil sie in einem bestimmten Image gefangen sind. Weil sie als Marke aufgebaut wurden.

Hier ist das Ding… Nicht jede Personal Brand IST auch die Marke.
Viele Personenmarken wurden als Marke kreiert.
Nicht von Innen nach Außen… sondern IM Außen.
Is sich nicht dasselbe. Fühlt sich vor allem gar nicht an, wie dasselbe.

It sucks your soul.

Und wenn deine Marke erst mal einen Wert hat, wenn du und andere damit viel Geld verdienen, dann kommste da auch schwer wieder raus. Insbesondere das mitverdienende Umfeld ist nicht besonders supportive, wenn es um Veränderung geht. Wenn ein Goldkehlchen mal erfolgreich eine Nische besetzt, dann soll es dort bitte danke auch bleiben. A star wasn´t born but created.
Bei manchen Klienten beinhaltet meine Arbeit daher am Anfang auch Gespräche mit beteiligten Dritten. Und was tut ein Coach? Er hilft bestehende Denkmuster aufzubrechen und unterstützt Mindshifts. Wirkt also quasi wie so`n Katalysator für Veränderungsprozesse.

Die Frage, die ich beteiligten Managern und Agenturen meistens stelle, ist diese: „Was wäre, wenn wir den bestehenden Erfolg riskieren müssten, damit wir ihn erhalten können?“

Meine Klienten selbst fühlen das. Deshalb kommen sie irgendwann zu mir.
Kreative SIND die Veränderung. Wir sterben, wenn wir versuchen, den natürlichen Prozess der Weiterentwicklung zu deckeln. (Genau genommen trifft das auf jeden Menschen zu – auf kreative High Performer aber besonders).

Der Versuch, den kreativen Flow zu kontrollieren hat die gleichen Auswirkungen wie `ne buchstäbliche Flussbegradigung. Mancher Fluss wird erst durch die Begradigung schiffbar. Allerdings wird durch den Eingriff auch das natürliche Ökosystem des Flusses zerstört. You get the point.

Ergo… jetzt was? Einen Tod gilt es immer zu sterben? Das ewige Dilemma des „broken artist“? Entweder angepasst, finanziell erfolgreich aber unglücklich ODER aber wild, frei und im vollen Selbstausdruck aber finanziell am Arsch?

Dualistische Sicht auf die Dinge führt selten weiter und einer verliert dabei immer.

Was wäre, wenn wir nicht an dieses ewige entweder-oder glauben würden?
Was wäre, wenn echter Erfolg langfristig sogar nur dann möglich wäre, wenn wir uns aus dem ODER heraus- und in ein UND hineindenken?

Ungezähmt, frei und im vollen Selbstausdruck UND finanziell erfolgreich!

Was wäre, wenn wir den bestehenden Erfolg riskieren müssten, damit wir ihn erhalten können?“

Und was wäre, wenn wir den bestehenden Erfolg riskieren müssten, damit wir etwas Außergewöhnliches kreieren können?“

Wo Evolution nicht zugelassen wird, kann auch niemals etwas R-Evolutionäres entstehen.

Sich gegen die fortlaufende Veränderung zu stemmen ist so kräftezehrend wie der Versuch, einen Wasserball unter Wasser zu drücken
und am Ende verlierst du ihn eh.

Dies erlebt jeder Mensch bezogen auf sein Leben als wahr.
Früher oder später. Kreative erleben diese Wahrheit insbesondere aber auch in Bezug auf ihre Arbeit als wahr.

You can‘t control art.
Das ist ein Widerspruch in sich.
Jeder der versucht, sich ihr zu entziehen
oder sie zu kontrollieren,
zahlt langfristig drauf.
Auf allen Ebenen.

Der innere Künstler stirbt.
Und das ist kein schmerzfreier Tod.
Aber ein unnötiger.

Folge der Freude und vergiss nicht…

Life is too short to be boring!

Love,
C.