Der Schmerz als Coach

Vor einiger Zeit hatte ich eines dieser Erstgespräche, die mich länger nicht loslassen. D. ist eine Coach-Kollegin. Sie ist Eltern-Coach, um genau zu sein. Selber Mutter von 3 Teenagern, ehemalige Erzieherin, zertifizierter Coach und sie hat Nerven wie Drahtseile. Sie weiß, die Dinge anzupacken, nichts bringt sie so schnell aus der Fassung und was sie sich vornimmt, zieht sie durch.

Und genau so wie sie ist, hat sie sich vor 1 Jahr mit Begeisterung und Überzeugung als Coach selbstständig gemacht. Sie ist ein Geschenk, für jede Mutter, jeden Vater – jede Familie – die das Glück hat, mit ihr zu arbeiten.

Dieses Glück hatten in ihrem ersten Jahr als Elterncoach genau 8 Familien.
Acht.
Mehr Klienten hatte sie nicht.

Was in zweierlei Hinsicht so traurig ist.

Zum einen erreicht sie die Menschen nicht, die ihre Hilfe dringend brauchen könnten.
Und machen wir uns nichts vor – es gibt unzählige Mütter und Väter, die, zumindest phasenweise am Limit laufen. Die mit ihrem Latein am Ende sind. Und mit ihren Nerven.

Was nicht bedeutet, dass sie schlechte Eltern wären, sie geben ihr Bestes, sie tun, was sie unter den gegebenen Umständen tun können. Basierend auf dem, was sie wissen – und nicht wissen.
Es sind schlicht in bestimmten Situationen überforderte Eltern. Und Kinder, die unter der Gesamtsituation leiden.

Der Bedarf an D.`s Arbeit ist da.
Aber diese Familien finden den Weg nicht zu ihr.

Und D. findet den Weg nicht zu diesen Familien.
Nicht in dem Maße, in dem es notwendig und absolut möglich wäre
Seit nun über einem Jahr.

Dabei hat sie – so wie D. eben ist – alles unternommen, um als Elterncoach bekannt zu werden und Interessenten zu erreichen. Sie ist auf Netzwerktreffen gewesen, auf Veranstaltungen von Elternverbänden, in Schulen.
Sie hat sich eine Webseite aufgebaut und mit viel Liebe ein Freebie gestaltet. Sie hat sich in zahllosen Nächten eingegraben in „diesen Technikkram“. Sie hat Webinare und Onlinekurse besucht, die dabei helfen sollen, eine beeindruckende Liste von Interessenten aufzubauen. Sie hat Stunden mit ausländischen Supportfirmen diverser Provider gechattet, um dubiose Fehler in ihrem Newslettersystem zu finden. Sie hat eine Facebook-Seite erstellt und steckt viel Mühe und Zeit in die Vorbereitung ihrer Postings – die, das ist ihr wichtig, wirklichen Mehrwert bringen sollen. Sie ist in vielen Gruppen aktiv. Und vor ein paar Wochen hat sie sich getraut und die ersten Facebook Live Videos gesendet. Was eine echte Hürde für sie war. Aber „Augen zu und durch“ hat sie sich gesagt. „Wenn es offenbar sein muss, muss es sein“.

D. ist eben D. Und gibt nicht auf. Und das hat ihr bisher immer den Arsch gerettet. Ihr Durchhaltevermögen ist ihre Superpower. Und bisher hat sie diese immer, IMMER an`s Ziel geführt.

Nur dieses Mal nicht.
Denn bei all den Bemühungen, all der investierten Zeit, all der Nerven, all dem Geld, das sie in den Aufbau ihres Coaching-Business gesteckt hat – blieb eins aus:
Zahlende Kunden.

Und D., die immer und für alle so stark ist, die nichts unversucht lässt und für die es ein „geht nicht“ nicht gibt ist schmerzhaft an Grenzen gestoßen, die sie lange nicht sehen wollte. Sie hat gearbeitet wie eine Verrückte und Zweifel und besorgte Fragen aus ihrem Umfeld ignoriert. Sie kann das ausblenden. Und es ist wichtig, sich fokussieren zu können und nicht verunsichern zu lassen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass man Gefahr läuft, sich zu verrennen. Je öfter man über seine Limits agiert, desto mehr Energie kostet es. Aus Begeisterung wird Verbissenheit. Und diese Verbissenheit führt zu einer selektiven Wahrnehmung. Und langsam aber sicher in die Erschöpfung.

Der Knall und der Zusammenbruch für D. kam an dem Abend, als ihr ansonsten geduldiger Mann sie „auf den Pott gesetzt hat“.
„Himmel, D. Such Dir doch wieder einen Job als Erzieherin, – und lass es endlich sein. ES BRINGT NICHTS!“

In unserem Gespräch bricht sie in Tränen aus, während sie mir dies erzählt.
Ich kenne diese Tränen. Sie fließen oft in meinen Erstgesprächen.

D. kennt diese Tränen auch.
Von „ihren Müttern und Vätern“ – mit denen sie arbeitet.
Es sind Tränen, die fließen aus dem Schmerz heraus, der entsteht, wenn wir gegen die Realität anzukämpfen versuchen.

Doch in dem Moment kann sie die Parallelen noch nicht sehen.
Wir können uns mitten im eigenen Drama nicht genügend selber reflektieren.
Auch nicht als Coach. Als Trainer. Als Berater.
Been there. Done that. 😉
Es funktioniert nicht!
Ich verstehe D.s Tränen.
Ich kann sie so mitfühlen.
Der Schmerz, die Ent-täuschung, sich einzugestehen, dass etwas trotz all der Bemühungen einfach nicht funktioniert. Und die Verzweiflung, die sich einstellt, wenn man einfach nicht weiß, was man selber denn NOCH alles versuchen soll. Und die Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann.

Und ich verstehe D.s Mann.
Auch wenn es harsch klingt.
Nicht „supportiv“ auf den ersten Blick.

Er spricht einen Teil der Wahrheit aus.
Er sieht die Situation aus einem anderen Blickwinkel.
Durch seinen individuellen Filter. Natürlich.

Aber … könnte es nicht wahr sein, was er sieht?
Wenn nicht sogar wahrer, als das, was D. in den letzten Monaten in ihrem Tunnel zu sehen in der Lage war?

In den nächsten 30 Minuten unseres Gespräches mache ich meinen Job.
Als Coach.
Ich halte den Raum für D.
Ich schaffe die Möglichkeit für sie, in der Realität anzukommen.
Ich tue das gleiche, was auch D. tut – wenn sie die Gelegenheit hat, mit „ihren Familien“ zu arbeiten.

Erst dann ist der Weg frei, individuelle Lösungen zu entwickeln,
die taugen.
Erst dann sind wir in der Lage, Antworten zu finden,
die sich nicht gegen die Realität stellen und in weiteres Drama führen.

Und die Antwort auf D.´s Situation muss absolut nicht darin liegen,
„sich wieder einen Job als Erzieherin zu suchen“ 🙂

Und … sie war es auch nicht.
In den nächsten 6 Wochen haben wir gemeinsam eine Marketing- und Vertriebsstrategie entwickelt, die für SIE in kürzester Zeit raus aus der Abwärtsspirale führte – und hin zu IHREN Kunden.

Wir sind den Weg gegangen von innen nach außen.
Nur so kommst Du zu einem Konzept, welches FÜR DICH zum Erfolg führt.
Es gibt keinen Weg „von der Stange“, der taugt.

Genauso wenig, wie das „Förmchen-Schema“ für Dein Privatleben der Weg zum Glück ist, ist er es für`s Business.

Es gibt keinen „einfachen“ Weg.
Es gibt einfach immer nur DEINEN Weg.
Zumindest dann, wenn Du DEIN Leben führen willst.
Und zwar mit Freude und einer gewissen Leichtigkeit.
Statt dauergestresst und am Limit.

Lots of Love

Christina

P.S. Liebe D., ich danke Dir, dass ich Deine Geschichte anonymisiert erzählen durfte!

P.P.S. Nicht alle meine Klienten sind bereit, öffentlich zu werden. Und ich respektiere und verstehe das. Wenn Du mehr Geschichten und Eindrücke meiner Klientinnen lesen möchtest, die sich auch öffentlich damit zeigen, dann findest Du sie hier

P.P.P.S. In den nächsten 6 Wochen habe ich neue Termine für Erstgespräche für Euch geblockt.
Falls Du diese Gelegenheit nutzen möchtest, dann zögere nicht, Dir Deinen Termin zu buchen.
Never walk alone! Auch nicht als gestandene Frau.
Oder … gerade dann nicht 😉

Deinen Termin kannst Du hier buchen: Zu meinem Kalender

Derzeit leider keine Termine mehr frei.
Bitte kontaktiere mich in dringenden Fällen aktuell über Facebook oder per Mail: service(at)christinabaier.online

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